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Die illegalen Kellerbars haben sich in letzter Zeit kräftig geändert. Früher reichte es noch,
sechs leere Harasse mit einer Schalttafel zu verbinden, einen Kassettenrecorder aufzustellen
und warmes Bier und Rotwein zu verscherbeln. Heute sind die Räume grösser und schöner geworden
und das gastronomische Angebot hat sich erheblich verbessert. Auch das Unterhaltungsprogramm
hat sich vergrössert. Früher waren es grösstenteils Punk-Bands, die in den Kellern aufspielten.
Auch heute treten in den Bars neben Techno-DJs und sonstigen KünstlerInnen noch Punkbands auf,
und das ist vermutlich neben dem WC-Mangel die einzige Konstante.
Doch auch die Punkbands haben eine Entwicklung durchgemacht, wie sich im Keller
an der Ernastrasse, als es ihn noch gab, eindrücklich gezeigt hat. Dort gaben Catchpole
ihr erstes Konzert. Und obwohl die Jungs nur sechs Songs hatten, ging die Post gehörig ab.
Das Publikum tobte so lange, bis die Band ihr Programm zweimal durchgespielt hatte.
Und unter Programm verstehe ich hier nicht ein Holperschlagzeug, pfeifende Mikrofone
und eine übersteuerte Gitarre, sondern einen sauber abgestimmten Bass und Gitarre,
einen treibenden Schlagzeuger, der seinesgleichen sucht, und kurze Songs mit geilen Refrains.
Wie gesagt, Catchpole unterscheiden sich deutlich von den meisten Bands, die ich in den
letzten Jahren in irgendwelchen Kellern gesehen habe.
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Sirup-Taufe für den Bandbus
Damit Riemä (ex Fleisch/Gitarre, Gesang), Roger (ex Mona Lisa Overdrive/Bass, Gesang)
und Dani (ex Empathy/Schlagzeug) in noch mehr Kellern und natürlich vorzugshalber
auch mal an andern Orten spielen können, haben die drei eine Single herausgegeben,
so quasi als Visitenkarte. Die Platte gibt eine gute Ahnung davon, was die drei so
auf dem Kasten haben. Gut, die Platte wurde im Übungsraum aufgenommen, unter Zeitdruck
abgemischt und in Tschechien gepresst. Das hatte kleinere Auswirkungen, wenn ihr wisst
was ich meine. Aber ich lege hier meine Leber ins Feuer, dass die Band super ist und die
Konzerte noch besser. Catchpole haben alles, was eine gute Punkband ausmacht: Schweinegitarre,
präziser Bass, eingängige Mitgröhllieder mit super Chörlis und einen Schlagzeuger,
der gehörig Tempo vorlegt.
Ein Unterschied zu früheren Kellerpunkbands ist noch zu erwähnen: Die Jungs tragen
keine Irokesenfrisuren und leben auch nicht auf der Strasse. Nein, sie gehen oder gingen
grösstenteils seriösen Berufen wie Programmierer oder Bowlingbahnangesteller nach.
Das heisst aber nicht, dass sie ein schön gezapftes Bier links liegen lassen und nach
der Tagesschau ins Bett gehen. So ist Gitarrist Riemä letztens auf einer Party in Biel
leicht angeheitert ins kalte Buffet gesegelt, worauf sich die dort ansässigen Punks
gerächt haben, indem sie seinen VW-Bus mit Sirup getauft haben. Die darauffolgende
Ameisenplage war derart schlimm, dass die fest geplante Reise ans Agnostic Front
Konzert notfallmässig abgesagt werden musste. Schade!
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